Kampfmittelräumung in Deutschland nach der Wende - Teil I Die gewerbliche Kampfmittelräumung in Deutschland wandelte sich nach der Wiedervereinigung sukzessive von einer im Westen der Republik gewachsenen und qualitativ hochwertigen Struktur hin zur Großflächenräumung, die nur das Ziel hatte, in kürzester Zeit viele Flächen zu einem möglichst niedrigen Preis zu beräumen bzw. freizugeben. In der Nachkriegszeit erfolgte in der ehemaligen DDR die Kampfmittelräumung durch die Volkspolizei, mit mehr oder weniger großem Sicherheitsdenken. In den Kasernen und auf den Truppenübungsplätzen, die die sowjetischen Truppenverbände und die Nationale Volksarmee nutzten und unterhielten, wurde Kampfmittelräumung - wenn überhaupt - nur in geringem Maße durchgeführt und spielte so eine untergeordnete Rolle. Ganz anders war das Sicherheitsdenken im Umgang mit Fundmunition durch eine systematische Flächenberäumung zur Erlangung von munitionsfreien Bereichen in den alten Bundesländern ausgeprägt. Dass diese Verfahrensweise keinen Einzug in die neuen Bundesländer halten konnte, lag zum Teil an der damaligen Bundes¬regierung. Sie wollte den Aufbau Ost zügig vorantreiben, und sei es nur durch Kosmetik. Umstrukturierung der Branche Aber den größten Fehler machten die bis dahin auf hohem Qualitäts- und Lohnniveau arbeitenden Firmen aus den alten Bundesländern. Sie gaben sehr schnell ihre hohen Qualitätsstandards auf, um in den neuen Bundesländern die „schnelle Mark“ zu machen. Bund und Länder erleichterten ihnen dieses, da kurz nach der Wende genügend Geld zur Verfügung stand. Niederlassungen dieser Firmen und Firmenneugründungen schossen wie die Pilze aus dem Boden. Schnell hatten die Firmen erkannt, dass man die Großflächenräumung nicht nur mit teurem Personal aus den alten Bundesländern ausführen muss, sondern auch mit solchem aus dem Beitrittsgebiet durchführen kann. Dieses war zwar überwiegend unerfahren, konnte aber zu Hungerlöhnen beschäftigt werden. Die Lohnkosten sanken erheblich, die Gewinne stiegen ins Unermessliche, und die Qualität, die im Westen der Republik bisher als Leitfaden für ein hohes Sicherheitsdenken galt, blieb auf der Strecke. Das, was ihnen die Firmen aus den alten Bundesländern vormachten, setzten nun auch viele Fachkundige aus dem Beitrittsgebiet um, hatten doch viele Beschäftigte der ehemaligen Nationalen Volksarmee ihre Arbeit verloren. Sie gründeten ebenfalls Firmen, passten sich dem Niedriglohnniveau an und übernahmen das neue, aber schlechte Leistungs- und Qualitätsdenken. Abkehr von in den alten Bundesländern bewährten Rahmenverträgen Auch die staatlicherseits Verantwortlichen in den neuen Bundesländern taten ein Übriges. Sie übernahmen nicht das System der bewährten Rahmenverträge aus den alten Bundesländern. Die Einzelprojekte wurden öffentlich ausgeschrieben, und es kam zu Preiskämpfen in der Branche, die nicht nur in nicht mehr auskömmlichen Quadratmeterpreisen mündeten, sondern zwangsläufig auch immer wieder bis zum heutigen Tage zu Firmeninsolvenzen führen. Gründung der GKD Da nach der Wende mittlerweile sieben Jahre ins Land gegangen waren, in denen in den neuen Bundesländern mit niedrigsten Standards gearbeitet wurde, und dies natürlich auch Auswirkungen in den alten Bundesländern hatte, erkannten einige wenige Firmen, was da aus Gewinnsucht angerichtet worden war. Es folgte die Gründung der GKD am 05. Mai 1997. Jürgen Plum |