Militärische Altlasten und Kampfmittelräumung auf Konversionsflächen in Berlin und Brandenburg - Teil I

Auf Grund seiner Geschichte gehört die Region Berlin-Brandenburg zu einer der mit militärischen Altlasten am stärksten betroffenen Regionen Europas. Bereits die preußischen Könige stellten ihrem Militär große Flächen für Übungen zur Verfügung. Zur Zeit des Kaiserreiches wurden die militärischen Anlagen weiter vergrößert und die Reichshauptstadt in eine Garnisionslandschaft verwandelt. Zurzeit der Nazidiktatur errichtete man im Umland von Berlin noch zahlreiche militärische Versuchsgelände. Im Zweiten Weltkrieg fanden in der gesamten Region Kampfhandlungen, Schlach­ten und der alliierte Bombenkrieg statt. In der Zeit des Kalten Krieges waren hier hunderttausende Soldaten stati­oniert, die täglich militärische Übungen, auch mit „scharfer Munition“ durchführten. Damit war eine erneute Vergrößerung der militärisch genutzten Flächen verbunden. So wurde die Region Berlin-Brandenburg in den letzten 200 Jahren praktisch in ein einziges waffenstarrendes Heerlager verwandelt. Die Untersuchungen nach dem Ende der Ost-West-Auseinandersetzung ergaben, dass eine Fläche von etwa der Größe des Saarlandes (ca. 250.000 ha) militärisch genutzt wurden. Das Landesumweltamt benennt für das Land Brandenburg 189 Rüstungsaltlasten-Standorte.

 

Militärische Altlasten sind Altablagerungen und Altstandorte auf militärisch genutzten Liegenschaften, sofern von ihnen Gefährdungen für die menschliche Gesundheit bzw. für die Schutzgüter Boden, Wasser und Luft ausgehen oder zu erwarten sind. Sie beziehen sich auf Flächen die militärisch genutzt wurden oder werden. Sie können dabei durch militärspezifi­sche Tätigkeiten bzw. Einrichtungen (z. B. Tankstellen, Kfz-Reparatur, Abwasserbehandlung) und/oder durch militärspezifische Aktivitäten wie Erprobung bzw. Anwendung von Waffen und Kampfmitteln auf Schieß- und Übungsplätzen entstanden sein. Bei den militärischen Altlasten geht es nicht nur um „normale Altlasten“ wie oft stark vereinfacht wird, sondern um die gesamte Bandbreite vom einfachen Militärstandort bis hin zum komplexen Chemiestandort mit komplizierten Sanierungsbedingungen. Eine Besonderheit bei den militärischen Altlasten stellen die, sich auf und im Boden befindlichen, Kampfmittel dar. Bei konventionellen Altlasten, wie z. B. mit Mineralölkohlenwasserstoffen verunreinigte Böden, treten in der Regel über einen längeren Zeitraum Abbau- oder ähnliche natürliche Remediationsprozesse auf.

Dies wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig jedoch auch den militärischen Altlasten und insbesondere den Kampfmitteln unterstellt. Kampfmittel unterliegen jedoch nicht diesen Effekten, da sie sich nicht zersetzen und somit ihre Funktionsfähigkeit auch noch nach Jahrzehnten vollständig behalten. Auch die in ihnen enthaltenen Explosivstoffe zersetzen sich gar nicht oder die entstehenden Abbauprodukte sind noch schädlicher als das Ausgangsprodukt. Explosivstoffe sind auch 60 Jahre nach Kriegende nicht weniger gefährlich geworden als bei Ihrer Herstellung. Die Sanierung von militärischen Altlasten ist daher immer mit der Durchführung von Kampfmit­telräummaßnahmen verbunden.

Im Bewusstsein der meisten Bürger existieren militärische Altlasten in der Regel in Form von alten Kasernen mit ihren berühmten „Russenmauern“, die das Stadtbild einiger Städte verschandeln, durch Betretensverbote und Nutzungseinschränkungen in Wäldern und Heiden sowie durch Evakuierungen und Sperrungen im Zusammen­hang mit Entschärfungen von Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg, insbesondere in Oranienburg.

Dipl.-Ing. Alexander Döring, Beratender Ingenieur
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