Beseitigung militärischer Altlasten auf dem ehemaligen TrÜbPl Lieberose

Einer der größten ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplätze (TrÜbPl) in Deutschland liegt ca. 140 km südöstlich von Berlin, in der Lieberoser Heide. Mit einer Gesamtfläche von 27.000 ha besitzt er eine Nord-Süd-Ausdehnung von 15 km und eine West-Ost-Ausdehnung von 30 km. Die Truppen des Warschauer Paktes führten hier regelmäßig Übungen mit scharfer Munition durch. Dabei kamen alle Waffensysteme bis hin zu Panzern, Artillerie, Kampfhubschraubern und Jagdbombern zum Einsatz.

Mit dem Abzug der russischen Truppen im Jahre 1993 übernahm die deutsche Verwaltung ein riesiges Areal mit Kasernenanlagen, Schieß- und Ausbildungsplätzen sowie den typischen militärischen Altlasten. Da weder beim Bund noch beim Land Brandenburg Haushaltsmittel für die Beräumung vorhanden waren, wurde die gesamte Fläche in Gefährdungszonen eingeteilt. Nach einer Kennzeichnung der Gefahren für die Bevölkerung war damit zunächst eine eingeschränkte forstwirtschaftliche Nutzung möglich.

Im Jahr 2005 begann man im Amt für Forstwirtschaft Peitz mit der systematischen Beseitigung der Hinterlassenschaften der russischen Streitkräfte. Den Schwerpunkt bildeten zunächst ehemalige Kasernenanlagen, Forstwege und Randflächen. Um auch stärker belastete Flächen beräumen zu können, entwickelte sich die Idee, auf solchen Flächen eine Zwischennutzung durch die Erzeugung erneuerbarer Energien zu organisieren. Die Kosten für die Beräumung der militärischen Altlasten sollen aus den Erlösen des Pachtvertrages und der Beteiligung am Stromerlös finanziert werden, d. h. die Räumung ist für das Land Brandenburg kostenneutral.

Einer der problematischsten Standorte ist das so genannte „Chemiestädtchen“. Hier trainierten die Chemie-Truppen der russischen Streitkräfte Handlungen nach dem Einsatz von ABC-Waffen. Neben den alten Kasernen- und Ausbildungsanlagen waren zahlreiche Vergrabungen von Munition, Bauschutt und Chemikalien vorhanden, die eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung benachbarter Gemeinden darstellen. In Zusammenarbeit des Amtes für Forstwirtschaft Peitz und einem Ingenieurbüro wurde eine Konzeption zur Baufeldvorbereitung erarbeitet. Diese Konzeption berücksichtigt alle Arbeiten, die zur forstlichen Vorbereitung der Fläche, zur Kampfmittel- und Altlastenbeseitigung, zum Abbruch der Bauwerke und zur Errichtung von Baustraßen notwendig sind. Die gesamte Organisation der Baufeldvorbereitung wird durch die Forstverwaltung Brandenburg, vertreten durch das Amt für Forstwirtschaft Peitz, geführt.

Insgesamt werden so 400 ha von Munition und chemischen Altlasten befreit. Die anschließend auf ca. 150 ha errichteten Photovoltaik-Anlagen sollen eine Leistung von ca. 60 MW in das Netz einspeisen.



Mit der Baufeldvorbereitung wurden vier gewerbliche Kampfmittelräumfirmen beauftragt, die täglich durchschnittlich 50 Arbeitskräfte beschäftigen. Die Tätigkeiten auf dem TrÜbPl Lieberose stellen dabei hohe Anforderungen an die tägliche Organisation und Planung der Räumarbeiten, die auf Grundlage der Arbeitshilfe Kampfmittelräumung (AH KMR) erfolgt. Für die Dokumentation und Nachweisführung wird die Software „GeoResolve KMR“ eingesetzt.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden 180 ha beräumt. Dabei mussten außer den dargestellten Kampfmitteln mehr als 43 Tonnen Zivilschrott, 1,7 Tonnen Munitionsschrott und 230 Fässer mit unbestimmten chemischen Substanzen geborgen werden.

Thomas Bußmann
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