Einsatz der Fachschale "kmrPAS" zur verbesserten Anwendung geographischer Informationssysteme für die Kampfmittelräumung

Zur Erfassung von raumbezogenen Daten haben sich nicht nur in Untenehmen, sondern auch in der öffentlichen Verwaltung Geoinformationssysteme (GIS) durchgesetzt. Diese Programme werden im öffentlichen Bereich insbesondere zur Dokumentation von Infrastrukturmaßnahmen und deren Ergebnisse eingesetzt.

Zu solchen Maßnahmen gehört auch die Kampfmittelräumung (KMR). Um ihren speziellen Anforderungen zu genügen, müssen die vom GIS vorgegebenen Funktionalitäten allerdings erheblich spezifiziert und erweitert werden. Daher entwickelte die Arge "kmrPAS" eine Fachschale, die auf das in der öffentlichen Verwaltung weit verbreitete Geoinformationssystem ArcView 9.0 aufsetzt. "kmrPAS" erweitert das GIS um zahlreiche Funktionen, wie z. B. das Zerlegen einer Räumfläche in Suchfelder, das nachträgliche Ausschneiden von Ausschlussflächen sowie ein EDV-gestütztes Management des kompletten Räumauftrages. Nach Abschluss der Räumung gibt "kmrPAS" die Daten auf einem beliebigen Speichermedium aus, welches beim Auftraggeber (AG) zwecks Datenübernahme eingereicht und in ein Metaprojekt übernommen wird.

Zur Vorgehensweise beim Einsatz des Programms "kmrPAS"

Zu Beginn der KMR wird durch Festlegung von Koordinaten in einer vorher bestimmten Projektion unter Berücksichtigung von Ausschlussfeldern (z. B. Gebäuden) die Räumfläche eingemessen und in den Computer als elektronische Karte übertragen. Diese teilt der Computer in quadratische Suchfelder ein, deren Kantenlängen bis zu 25 m frei wählbar sind.

Die Suchfelder werden aus der Karte heraus ins Gelände übertragen und dort markiert. Auf einem als Feldbeleg bezeichneten Dokumentationsbogen ist das Suchfeld in ein 1 x 1 Meterraster unterteilt und jeder Munitionsfund wird dort unter Angabe des Typs und der Anzahl lagegenau mit Tiefenangabe eingetragen.

Nachdem das Suchfeld bearbeitet und der Feldbeleg ausgefüllt ist, wird er über eine Eingabemaske in die "kmrPAS"-Datenbank übertragen. Hierbei werden auch die Finder der Kampfmittel erfasst, und es existiert ein Feld für eventuelle Bemerkungen. Munitionsschrott wird über eine separate Maske gesondert aufgenommen und dokumentiert. Die eingetragenen Munitionsfunde werden durch "kmrPAS" mit einem entsprechenden Symbol gekennzeichnet und auf einer Übersichtskarte festgehalten. Außerdem sind auch die Schrottbelastung (durch farbige Markierung) und die Geländeschwierigkeit (durch Schraffur) aus dieser Karte abzulesen. Dabei arbeitet das GIS mit so genannten Layern auf denen die geographischen Daten zur Räumfläche wie auf transparenten Folien dokumentiert und übereinander gelegt werden. Ein Layer ist beispielsweise die topographische Karte des Geländeabschnittes, ein anderer Layer zeigt die Suchfelder und darüber wird ein Layer mit den gefundenen und räumlich zugeordneten Kampfmitteln gelegt. Im Computer geben alle drei Schichten dann ein zusammenfassendes Lagebild der Munition mit den dazugehörigen Koordinaten. Alle vorgenannten Daten können in ein beim AG vorhandenen Datenpool (Metaprojekt) eingespielt werden. Die Fachschale "kmrPAS" sieht außerdem den Übertrag der elektronisch gespeicherten Daten in ein vom AG vorgegebenes ausdruckbares Formularwesen vor. Gleichzeitig werden sie automatisch zur Abrechnung eines Projektes zwischen AG, Auftragnehmer und Oberfinanzdirektion herangezogen.

Der AG hat im Zusammenhang mit der Munitionsdokumentation und abrechnungsrelevanten Daten über elektronische Signaturen (durch Dongles) auch die Möglichkeit, die vorliegenden Angaben nach Überprüfung zu quittieren oder sie bei Fehleingabe vor seiner Signatur abzuändern.

Ausblick

Eine elektronische Fachschale zur KMR als Aufsatz für ein stark verbreitetes GIS, wie ArcView 9.0, eröffnet für die Ausschreibung, Dokumentation und Abrechnung weite Möglichkeiten. So können Rahmenverträge genau wie Ausschreibungen einheitlich abgewickelt werden, wenn hinsichtlich der Benennung, der Leistungen und Schwierigkeiten bei der KMR Einigkeit über deren Definition besteht.

Schließlich kann ein solches System auch die sprengstoffrechtlichen Aufzeichnungspflichten im Sinne der Führung von Verzeichnissen gemäß § 16 berühren. So sollte darüber nachgedacht werden, ob die bisherigen Anforderungen an solche Verzeichnisse nicht durch das computergestützte Dokumentieren von Munitionsfunden und anschließender Quittierung mittels behördlich genehmigter elektronischer Signaturen, ersetzt werden können.

Dipl.-Ing. F. Nauhauser, Dipl.-Ing. Ch. Sprenger und Dr. T. Alexander, Ansprechpartner der ARGE kmrPAS, bei Bohr- und Sprengtechnik Adolf Alexander KG GmbH & Co

Die ARGE kmrPAS besteht aus der o.g. Fa. Bohr- und Sprengtechnik Adolf
Alexander KG GmbH & Co (kaufmännische Leitung) und der Fa. adsett GmbH
(technische Leitung). Informationen zu kmrPAS und den ARGE-Partnern
finden Sie unter www.kmrpas.de.