| Zeitgeschehen lässt explosives Erbe nicht in Vergessenheit geraten
Erinnerungen an Berlin 1994 kamen wieder auf, als am 23.10.2006 in den Medien folgende Nachricht verbreitet wurde: „Fliegerbombe explodierte bei Bauarbeiten auf der A3“. Damals wurden drei Arbeiter in einer Baugrube getötet, diesmal starb einer. Fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor detonierte auf einer Linzer Baustelle eine Fliegerbombe. Ein 40 Tonnen schwerer Bagger wurde meterweit durch die Luft gewirbelt. Der Bauführer überlebt schwer verletzt. Für kurze Zeit boomt die Kampfmittelräumung. Kein halbes Jahr wird es dauern, bis sie wieder in Vergessenheit gerät.
Sicher - Deutschland war mehrfach ein Kriegsgebiet - ein gewisses Restrisiko wird uns auch in Zukunft begleiten. Aber dieses ständig zu minimieren, ist Aufgabe der Politik. Die Realität in den letzten Jahren spricht nicht dafür. Die Sparzwänge des Bundes und der Länder führten zu immer geringeren Mitteln für die Beseitigung dieser explosiven Gefahr. Ein weiteres Potenzial, die Zeitzeugen, die damals das Geschehen miterlebten, aber auch die Kampfmittelräumer, die mit der häufig tödlichen Räumung bereits während des Krieges begannen und in den Nachkriegsjahren sehr fleißige Arbeit geleistet haben, stehen bald nicht mehr zur Verfügung. Genau kartierte Lagepläne, eine Dokumentation mit GPS wie heute, gab es damals nicht. Auch der Stand der Technik schreitet unaufhaltsam voran. Neue Technologien und Geräte geben uns Erkenntnisse über Kampfmittel in der Tiefe, die selbst vor wenigen Jahren noch nicht denkbar waren. Jedoch sollten dabei stets die Grenzen des Systems beachtet sowie die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden. Es bleibt daher auch in Zukunft nicht aus, dass bisherige Kampfmittelräumungen nach dem aktuellen Stand der Technik neu zu bewerten sind. Verwertbare Unterlagern sind derzeit vor allem Kriegsberichte und Luftbilder, die uns heute in großen Mengen zugänglich sind. Aber das Heilmittel sind auch diese nicht, wie uns das Beispiel Linz zeigt. Ein Luftbild zeigt genau das Abbild eines Areals in der Entstehungssekunde des Fotos - nicht die Einwirkungen vorher und nachher. Es ist deshalb erforderlich, alle relevanten Zeitschnitte zu erfassen und zu untersuchen. Durch derart historische Recherchen lassen sich jedoch Gebiete eingrenzen, in denen ein Handlungsbedarf besteht. Sobald auf diesen Flächen Erdbauarbeiten durchzuführen sind, ist diese Frage erneut zu beantworten. Eine wertvolle Anleitung geben die Arbeitshilfen Kampfmittelräumung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen und des Bundesministeriums der Verteidigung, die zwar für Bundesliegenschaften gelten, aber auch für alle anderen Liegenschaften und Flächen sinngemäß anwendbar sind. Bedenken wir - je länger das Kriegsmaterial in der Erde liegt, desto gefährlicher wird es. Ein Menschenleben ist unersetzbar. Dessen Schutz muss Anliegen aller sein. Andreas Mauersberger viasecure Deutschland GmbH, Karlstraße 13, 45739 Oer-Erkenschwick, Tel: +49 (0)23 68/699 19-0, Fax: +49 (0)23 68/981 44 E-Mail: info@viasecure.eu |