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01.10.2010

Es ist ein Umdenken nach der Bombenexplosion in Göttingen erforderlich!

Die Zerstörung des World Trade Centers in New York am 11. September 2001 veränderte unser Weltbild; der tragische Unfall am 1. Juni 2010 in Göttingen verändert unseren Blick auf die Situation in der Kampfmittelräumung.

In Göttingen explodierte eine Bombe mit einem Langzeitzünder. Bomben mit Langzeitzündern wurden stets gemeinsam mit Bomben mit Aufschlagzündern oder Brandbomben abgeworfen. Sie dienten der Terrorisierung der Bevölkerung und sollten diese daran hindern, Brände zu bekämpfen. Daher ist das Auffinden von Bomben mit Langzeitzündern für Kampfmittelräumer leider keine Seltenheit.

Aber nicht nur die Räumkommandos staatlicher oder privater Räumdienste gehen bei der Entschärfung von Bomben mit Langzeitzündern ein großes Risiko ein. Auch die Mitarbeiter von Kampfmittelräumfirmen, welche bei der Suche nach Blindgängern und deren Vorbereitung zur Entschärfung eingesetzt werden, unterliegen dieser Gefahr. Deshalb: Keine Akkordarbeit bei solchen Gefahren!

Kampfmittelräumungen werden in den letzten Jahren zunehmend unter Leistungsgesichtspunkten ausgeschrieben. Das mag bei einzelnen Leistungen funktionieren, darf aber nicht generell für die Kampfmittelräumung gelten und muss jeweils sorgfältig abgewogen werden.

Allein durch die Tatsache, dass bis zur Freilegung Art, Zustand und Zündsystem der zu bergenden Kampfmittel unbekannt sind, verbleibt bei den Mitarbeitern von Kampfmittelräumfirmen auch ohne Leistungsdruck und Akkordarbeit ein erhebliches Risiko. Hinter jedem sondierten Störpunkt lauert möglicherweise ein Kampfmittel, dessen Handhabungssicherheit durch die Verwendung von Langzeitzündern, Zündern mit vorgespanntem Schlagbolzen oder auch aus anderen, sehr komplexen Gründen nicht gewährleistet ist.

Leistungsvorgaben sind hier völlig unangebracht! Die Sicherheit der Ausführenden ist oberstes Gebot!

Neben der Vermeidung von Akkordarbeit, die dieser gefährlichen Tätigkeit widerspricht, ist der Einsatz entsprechend geschulter Arbeitskräfte ein weiteres Ziel der GKD. Hierfür müssten eindeutige Vorgaben in Ausschreibungen aufgenommen werden.

Durch die GKD werden Qualifizierungen von ihren Mitgliedern gefordert, die aber nur dann am Markt Wirkung zeigen, wenn Auftraggeber solche in ihrer Ausschreibung fordern. Das gilt insbesondere für den erstmaligen Einsatz auf Räumstellen, bei denen eine Erstschulung über 16 Stunden durch eine staatlich anerkannte Ausbildungsstätte für Kampfmittelräumung vorzulegen ist. Weitere Nachweise sind das Praktiker-Zertifikat (P) und das Baumaschinen-Zertifikat (B). Beim Praktiker-Zertifikat hat der Arbeitnehmer nachzuweisen, dass er mindestens 2 Jahre in der Kampfmittelräumung tätig ist; beim Baumaschinen-Zertifikat sind entspre-chende Bescheinigungen zur Führung von Baumaschinen und ein mindestens ½-jähriger Einsatz auf Kampfmittelräumstellen vorzuweisen.

Dipl.-Ing. Hans Joachim Rosenwald
Geschäftsführer der
Güteschutzgemeinschaft Kampfmittelräumung Deutschland e. V.