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18.12.2009

Die Aufgabe des Bombodrom bei Wittstock - ein Pyrrhussieg?

Die Aufgabe des Bombodrom bei Wittstock - ein Pyrrhussieg?
König Pyrrhus von Epirus (319/318 – 272 v. Chr.) soll nach seinem Sieg gegen die Römer in der Schlacht bei Asculum gegenüber einem Vertrauten geäußert haben: „Noch so einen Sieg, und wir sind verloren!“

Am 9. Juli 2009 erklärte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung den endgültigen Verzicht auf die militärische Nutzung des Bombodroms, da rund 90 % des Geländes als europäisches Naturschutzgebiet ausgewiesen sind. Von 1950 bis 2009 wurde das Gelände militärisch genutzt, in den letzten Jahren als Luft-Boden-Schießplatz unter anderem mit Tiefflügen und dem Abwerfen von Bomben. Insofern weist das Territorium eine hohe Dichte von Kampfmitteln und deren Rückständen aus. Man vermutet bis zu 1,5 Millionen Blindgänger oder 12.000 Tonnen Munition.

Letztlich beugte sich die Bundesregierung den Protesten der örtlichen Bevölkerung, Umweltgruppierungen sowie von Oppositionspolitikerinnen und –politikern des Bundes. Dieser Bewegung schlossen sich dann sowohl der Kreistag des Landkreises Ostprignitz-Ruppin als auch Landtage von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie das Abgeordnetenhaus von Berlin an.

Die Bundeswehr führte bis zuletzt zwei Argumente für die Nutzung des Bombodroms an: die Verteilung der Belastungen für die Bevölkerung zwischen den Truppenübungsplätzen Wittstock, Nordhorn und Siegburg sowie die Notwendigkeit des Übens zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft. Seitens des Verteidigungsausschusses des Bundestages war man aber der Auffassung, dass der Bombenabwurf im Tiefflug, wie er auf vorgenannten Truppenübungsplätzen trainiert wurde bzw. noch immer trainiert wird, weder für die Landesverteidigung noch bei internationalen Kriseneinsätzen erforderlich ist. Die weiteren Aufgaben des Truppenübungsplatzes fielen dann aber auch dem Schließbeschluss zum Opfer.

Doch wie geht man mit diesen gewonnenen Arealen um? Seitens der brandenburgischen Staatskanzlei wird vor dem Betreten gewarnt. Das Bombodrom ist trotz des Verzichtes der Bundeswehr noch immer militärischer Sicherheitsbereich. Eine Dekontaminierung hat noch nicht stattgefunden und wird aufgrund fehlender Mittel vermutlich auch so schnell nicht erfolgen. Doch wo die Gefahr aktiver militärischer Nutzung aus den Augen verloren wird, nimmt der Leichtsinn oder die Ahnungslosigkeit ihren Lauf!

Immer mehr Spaziergänger zieht es in die Kyritz-Ruppiner Heide zum Wandern, Pilze suchen oder zu sonstigen Erholungszwecken. Erst kürzlich wurden bei einem Besuch der Bundeswehr mit Medienvertretern scharfe Anti-Personen-Minen sowjetischer Bauart entdeckt. Hierbei handelt es sich um so genannte Schmetterlingsminen, die mit Flüssigsprengstoff gefüllt, direkt gegen Menschen, u.a. in Afghanistan, eingesetzt wurden.

Die Gefahr ist (noch) bekannt, doch die Weite des Geländes lockt. Reichen Schilder da aus, die das Betreten verbieten, oder muss es erst zu schlimmen Unfällen kommen? Fraglich ist, ob die Bundesvermögensverwaltung als neue verantwortliche Stelle für diese Liegenschaft hier ihrer Sicherheitspflicht gegenüber Menschen in geeigneter Weise nachkommen kann. Es ist nicht nachvollziehbar, wie Politiker effekthascherisch die Schließung eines solcher Art genutzten Truppenübungsplatzes fordern, ohne gleichzeitig dafür zu sorgen, dass eine sichere Nachnutzung gewährleistet ist. Deshalb gilt: Das Gelände muss so schnell wie möglich sicher gemacht werden. Eine Branche bietet zu diesem Zweck ihre Dienste an. Doch noch fehlen die Entscheidungen.

Dipl.-Ing. Hans Joachim Rosenwald
Geschäftsführer der Güteschutzgemeinschaft Kampfmittelräumung Deutschland e. V.