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22.02.2010

Detektion und Bergung von Kampfmitteln im finnischen Meerbusen

Im Zuge des Hochwasserschutzes der Stadt St. Petersburg und dem damit verbundenen Umbau diverser Wasserwege im Gebiet der Insel Kotlin bestand für die HEINRICH HIRDES Kampfmittelbergung GmbH die Aufgabe, ca. 2.400 ha Wasserfläche zu detektieren, relevante Objekte zu bergen und der Vernichtung zuzuführen.

Aus der Analyse der historischen Daten war mit einer vorrangigen Belastung durch Abwurfmunition, Artilleriemunition sowie Marinekampfmitteln zu rechnen. So fielen zum Beispiel allein während der 900 Tage andauernden Belagerung des damaligen Leningrades ca. 100.000 deutsche Bomben auf das Stadtgebiet und die angrenzenden Territorien.

Die Detektion erfolgte in drei Schritten und begann im Spätherbst 2006. Zur Kartierung von Wracks und Unterwassersperranlagen wurde im ersten Schritt eine Untersuchung mittels Hochauflösendem Side Scan Sonar durchgeführt.

Ab November 2006 erfolgte im zweiten Schritt eine erste Sondierung der Teilflächen mittels Magnetometern. Dabei kam ein 8-kanaliges Sondiersystem "SeaSpy", ausgerüstet mit einem MAGNETO MX Compact System der Firma SENSYS und einer DGPS-Anlage Trimble 5700, zum Einsatz. Schnell wurde klar, dass die speziellen Wetter- und Strömungsbedingungen im Raum St. Petersburg den Einsatz von Offshore fähigem Equipment erfordern.

Da das firmeneigene 16-Kanal-Offshore-System "MSC Sea Quest" in einem anderen Projekt in Afrika gebunden war, fiel die Entscheidung während der Winterpause 2006-2007 ein neues, den vorherrschenden Bedingungen angepasstes Sondiersystem zu entwickeln und zu bauen.

Dieser neue Sondierkatamaran "HH 2016", ausgerüstet mit einem 16-kanaligen Dataline Detektionssystem aus dem Hause Dr. Foerster und zwei voneinander unabhängigen DGPS Systemen, kam ab Frühjahr 2007 zum Einsatz und erlaubte, bei einer täglichen Flächenleistung von ca. 200.000 m², bis zu einer Wellenhöhe von 1,50 m zu arbeiten.

Auf Grundlage der ausgewerteten Erstsondierung erfolgte die Bergung der jeweiligen relevanten Objekte durch qualifizierte Taucher. Auf dem Höhepunkt des Projektes im Sommer 2007 waren dabei bis zu 15 Tauchgruppen im Einsatz.

Von besonderer Auftragsrelevanz war die Qualitätskontrolle der Taucharbeiten. Aus diesem Grund wurde eine vollständige 2. Sondierung der Projektfläche durchgeführt und erneut detektierte Punkte gegebenenfalls wieder¬holt betaucht.

Im Zeitraum 2006 bis Ende 2008 wurden von den 16.000 detektierten Objekten 11.000 Objekte geborgen, ca. 1.250 t Schrott entsorgt und ca. 370 t Kampfmittel dem russischen Katastrophenschutzministerium (MCS) zur Vernichtung übergeben.

Jan Kölbel, Projektleiter
HEINRICH HIRDES Kampfmittelräumung GmbH
Sachtlebenstrasse 60
14165 Berlin
Tel.: 030/845 709-0
Fax: 030/845 709-60
E-Mail: hh.berlin@heinrichhirdes.de