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30.06.2010

Am falschen Ende gespart: Nur eine fachgerechte Kampfmittelsondierung sorgt bei Bauprojekten für Sicherheit – Teil 2

„Erst wird geräumt, dann gebaut. Gleichzeitig geht es nicht.“

Welche Sondierungsmethode am erfolgversprechendsten ist, hängt vom Untergrund und der Umgebung ab. „Prinzipiell gibt es keine komplett neuen Methoden in den Bereichen der geophysikalischen Messmethoden. Allerdings wird die Datenqualität bei den bekannten Vorgehensweisen durch immer ausgereiftere Geräte deutlich verbessert“, erläutert Geophysiker Simon Gremmler. „Bei den meisten Flächen kann man mit Geomagnetik oder elektromagnetischen Zweispulensystemen zuverlässig alle Kampfmittel bis in eine Tiefe von circa vier Meter auffinden.“ Wenn in der Nähe große magnetische Störkörper - wie etwa Bahngleise - lägen, könne mit Georadar gearbeitet werden, der abhängig von der verwendeten Frequenz und des Untergrundes eine Tiefe von bis zu fünf Metern erreicht. Überhaupt empfehle sich in solchen Gebieten eine Kombination aus verschiedenen Sondierungs-Modulen, die so genannte Multi-Sensorik, um eine höchstmögliche Sicherheit zu erzielen. Es können alle drei großen Messverfahren - die Geomagnetik, das Georadar und die elektromagnetischen Spulensysteme - eingesetzt werden.

Forderung der Experten: Keine Hilfsarbeiter mehr in der Kampfmittelräumung!

Die derzeit beliebteste – da vordergründig billigste – Form der Kampfmittelräumung ist die so genannte ‚baubegleitende Sondierung’, also die Bauaushubüberwachung, bei der eine Fachkraft neben dem Bagger steht und den Aushub visuell auf Kampfmittel untersucht. Allerdings muss, sofern beim Bauaushub Kampfmittel gefunden werden, vor Ort entsprechend reagiert werden, was erhebliche Kosten und Bauverzögerungen mit sich bringen kann.

Diese Methode stellt keine seriöse Methode der Kampfmittelräumung dar, wenn nicht wenigstens durch gezielten Einsatz verschiedener physikalischer Methoden versucht wurde, die durch Kampfmittel hervorgerufenen Anomalien im Boden zu finden. Das „Finden“ mit dem Bagger stellt ein erhebliches Gefahrenpotential für die Beteiligten dar und sollte deshalb ausgeschlossen werden.

Auch gab es bereits Fälle, in denen die Behörde wegen eines Bombenfundes aus Sicherheitsgründen die Baustelle stoppte und nachträglich die Sondierung zur Auflage machte - bis hin zum Abbau bereits gefertigter Stahlbewehrungen oder Gebäudeteile.

Wichtig ist den Experten auch, dafür zu sorgen, dass keine ungelernten Hilfsarbeiter mehr den verantwortungsvollen Job übernehmen dürfen: Es gibt nach wie vor keine standardisierte Ausbildung für Kampfmittelräumer. Genau hier setzen die Vorschläge der GKD an: Für die Zukunft wünscht sich Dr. Rainald Häber, dass nicht nur der Preis, sondern auch die Qualität der bisher geleisteten Arbeit und die Zuverlässigkeit der anbietenden Firma für die Bewertung des Angebotes eine Rolle spielen. „Wir wirken auf die Auftraggeber ein, dass 60 bis 70 Prozent der Entscheidung zur Auftragsvergabe auf die Arbeitsnachweise – also die nachgewiesene Zuverlässigkeit und Qualität – zurückzuführen sein sollten und nur der Rest über den Preis“, sagt Dr. Häber. Auch verfügen nur seriöse Anbieter über einen ausreichenden Versicherungsschutz, der auch Jahre nach erfolgter Sondierung greift und die Mitarbeiter angemessen für ihre gefährliche Arbeit versichert. Sollten trotz allem insbesondere Bomben übersehen worden sein, zahlt die beauftragte Kampfmittelräumfirma die Kosten für Baustopps sowie eventuelle Schäden, die durch eine Explosion herbeigeführt worden sind.

Allerdings macht sich Dr. Häber auch keine Illusionen über die Grenzen der Kampfmittelräumung: „Man kann diese Welt nicht von heute auf morgen bombenfrei machen. Dazu liegen noch zu viele Blindgänger im Boden und leider kommen immer wieder neue hinzu, wie in Serbien, im Irak, in Afghanistan ...“ Blindgänger sind ein Kollateralschaden, der neben den augenblicklichen Folgen der Luftangriffe auch eine erhebliche Beeinträchtigung zukünftiger Generationen bewirkt, wie wir das nun fast 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg auch noch sehr häufig in deutschen Städten erleben müssen.

Abdruck mit freundlicher Erlaubnis von
Cora Bethke, Pressebüro Gebhardt-Seele, München