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28.08.2011

Risikominimierung der Kampfmittelproblematik auf innerstädtischen Baustellen - Teil II

Welche Möglichkeiten bestehen nun, um Gefahren durch mögliche Kampfmittel auf Baustellen zu erkennen und zu begegnen?

  1. Einsichtnahme in einschlägige historische Unterlagen wie Kriegsluftbilder, Schadenskarten oder Schadensmeldungen

    Derartige Unterlagen befinden sich in Archiven oder kommunalen Einrichtungen. Die jeweils in Frage kommenden Einrichtungen können durch einschlägige Anfragen ermittelt werden. In Berlin ist z. B. das Luftbildarchiv der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und weiterhin das Landesarchiv am Eichborndamm (Plankammer bzw. Archivbestand A Rep. 001-02) von Bedeutung. Dort ist es nach vorheriger Terminvereinbarung möglich, die Unterlagen einzusehen und im Landesarchiv auch Kopien anfertigen zu lassen. Im Zuge ihrer Auswertung ist es insbesondere möglich (unter der Voraussetzung des Vorhandensein von Kenntnissen zur Auswertung von Kriegsluftbildern und Archivalien) Daten über Art und Umfang von Gebäudeschäden infolge Brand- und Sprengbomben, ggf. auch zu potentiellen Blindgängerverdachtspunkten oder Vergrabungen im Bereich der betreffenden Liegenschaft zu ermitteln. Letztendlich lassen sich dann Schlussfolgerungen hinsichtlich eventueller Gefahren durch Kampfmittel und erforderliche Maßnahmen ableiten.

  2. Erstellung einer Historisch-genetischen Recherche (HgR) – Kampfmittel

    Wenn dem Zustandshaftenden für ein Grundstück die Kompetenz für die Auswertung o. g. Dokumente fehlt, wird empfohlen, durch ein erfahrenes Ingenieurbüro eine HgR erstellen zu lassen. Sie beinhaltet zunächst die Auswertung o. g. Luftbilder und Akten. Einbezogen werden weiterhin auch vorliegende Daten zu den Bodenkämpfen sowie zu ggf. im Untersuchungsgebiet bereits durchgeführte Kampfmittelräumungen. Aus der HgR lassen sich Schlussfolgerungen zur potentiellen Kampfmittelbelastung ableiten, die die Basis für weitere Maßnahmen bilden. Bei Bedarf können auch konkrete Vorschläge für Ausschreibungen zu nachfolgenden Sondierungen bzw. Kampfmittelräumungen unterbreitet werden.

  3. Baubegleitende Sondierungen im Zuge von Baumaßnahmen

    Unabhängig von den Ergebnissen lt. 1. oder 2. sollten in o. g. Städten insbesondere Eingriffe in den Boden sicherheitstechnisch begleitet werden. Diese baubegleitende Sondierung wird durch Firmen mit der Berechtigung nach § 7 des Sprengstoffgesetzes (SprengG) angeboten und durch Verantwortliche Personen mit Befähigungsschein nach § 20 SprengG ausgeführt. Neben der Anmeldung einer Räummaßnahme bei den zuständigen Behörden erfolgt durch die Verantwortliche Person auch eine aktenkundige Unterweisung aller auf der Baustelle Tätigen über Gefährdungen durch Kampfmittel bei Bodeneingriffen.

    In der Regel sollte vor Beginn des Bodeneingriffs/der Aushubarbeiten zunächst das Absuchen von Verdachtspunkten über die relevanten Flächen vorgenommen werden. Dabei festgestellte Anomalien sind freizulegen, zu verifizieren und zu bergen. Bei größeren Aushubtiefen kann das Absuchen von Verdachtspunkten auch in mehreren Ebenen durchgeführt werden. Empfehlenswert ist danach auch die Begleitung und Überwachung der Aushubarbeiten unmittelbar vor Ort.

Dr. Christian Schwan, Dipl.-Ing. Jürgen Thieme
Mull und Partner Ingenieurgesellschaft mbH, Niederlassung Berlin,
Panoramastr. 1, 10178 Berlin
Tel.: 030/24 63 18 35,
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