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14.06.2011

Risikominimierung der Kampfmittelproblematik auf innerstädtischen Baustellen - Teil I

Die weitere Gestaltung unserer innerstädtischen Gebiete und insbesondere der Stadtzentren erfordert häufig die Einrichtung von Baustellenbereichen für Rückbau- und Sanierungsarbeiten oder auch für die Neuerrichtung von Gebäuden und baulichen Anlagen. Dabei befinden sich die betroffenen Liegenschaften oftmals im Bereich von Stadtgebieten,

  • in denen sich militärische Liegenschaften unterschiedlicher Art (z. B. Kasernen, Lager) befanden,
  • die intensiv von Luftangriffen im 2. Weltkrieg betroffen wurden oder
  • in Berlin zusätzlich oft auch direkt in Endkampfgebieten lagen.


Der daraus nach wie vor resultierenden Gefahr des Vorhandenseins von Kriegslasten im Boden muss gebührende Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Dementsprechend haben die Verfügungsberechtigten und der Bauherr gemäß Baustellenverordnung bei Baumaßnahmen, Bodeneingriffen usw. Sorge dafür zu tragen, dass Risiken aus Kampfmitteln erkannt und ausgeschlossen werden. Daraus ergibt sich für den Grundstückseigentümer oder Bauherrn im Normalfall die Notwendigkeit, an die zuständige Ordnungsbehörde einen Antrag zur Ermittlung potentieller Kampfmittelbelastungen zu stellen. Sieht man einmal davon ab, dass in der Praxis bereits an dieser Stelle oft durch Unterlassen eines solchen Antrags einschlägigen Pflichten nicht ausreichend entsprochen wird, ergeben sich für die angefragten Flächen oft keine konkreten bzw. unmittelbar verwendbaren Erkenntnisse über das Vorhandensein von Kampfmitteln.

In der Regel ist z. B. in Berlin ein einschlägiger Bescheid jedoch mit dem Hinweis der Ordnungsbehörde ver-bunden, dass es dem Grundstückseigentümer angesichts des nie verbindlich auszuschließenden Vorhandenseins von Kampfmitteln freigestellt bleibt, vor Beginn von Erd- bzw. Tiefbauarbeiten eine fachgerechte Suchmaßnahme durchführen zu lassen. Erfahrungen der Verfasser dieses Beitrages aus der Praxis auf Baustellen in Berlin, aber auch in weiteren Städten besagen, dass solche Hinweise und Aufforderungen ihre volle Berechtigung haben. So wurden in Berlin in Zentrumsnähe, d. h. in Bereichen intensiver Bombenabwürfe und Bodenkampfhandlungen, bei mehreren, mit Bodeneingriffen verbundenen Baumaßnahmen durch eine sicherheitstechnische Begleitung stets Kampfmittelreste (zumeist von Stabbrandbomben und Wurfgranaten) vorgefunden. Nicht unerwähnt sollen auch die in der Presse veröffentlichten Funde von Bombenblindgängern bleiben. Das unterstreicht nachdrücklich die Notwendigkeit, die Kampfmittelproblematik in Vorbereitung und bei der Durchführung von Baumaßnahmen zu berücksichtigen.

Dr. Christian Schwan, Dipl.-Ing. Jürgen Thieme
Mull und Partner Ingenieurgesellschaft mbH, Niederlassung Berlin
Panoramastr. 1
10178 Berlin
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