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08.04.2011

Kampfmittelräumung auf Photovoltaik-Anlagen und Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien - Chance und Herausforderung Teil II

Phase 3 Ausführung: Für einige Kampfmittelräumfirmen geht an dieser Stelle ein Traum in Erfüllung. Der unbedarfte Auftraggeber macht eine nette Ausschreibung, die Kosten der Angebote differieren um 1000 Prozent und eine Firma x wird beauftragt. Die Differenz zwischen Angebotspreis und Abrechnung beträgt 400 %. Das ist keine Satire, das ist tägliche Praxis. Es gibt sogar Firmen, die in einem voll in Betrieb befindlichen Solarkraftwerk noch sondieren. Die Frustration der Auftraggeber ist nachvollziehbar. Und wenn dann noch im Nachhinein die Finanzierung wegen unbekannter Risiken um 3 % steigt oder die Versicherungsprämien verdoppelt werden, ist der Ruf der Branche ruiniert. Wo ist der Ausweg? Ganz einfach, die Umsetzung des genehmigten Kampfmittelräumkonzeptes unter Einbeziehung von unabhängigen Fachleuten und Maßnahmen der Qualitätskontrolle. Die Kostenrisiken liegen dann im Bereich von 25 bis 40 % und bleiben damit kalkulierbar. Die Banken und Versicherungen fühlen sich wohl und das Projekt wird störungsfrei realisiert.

Ein weiterer Aspekt der Ausführungsphase ist die kombinierte Baugrundvorbereitung und damit die parallele Beseitigung von Kampfmitteln, Baulasten und Altlasten inklusive Herstellung des Planums. Die Komplexität dieser Anforderungen übersteigt die einfache Kampfmittelräumung erheblich und ist nur durch leistungsfähige Firmen mit Tiefbauerfahrung zu meistern. Diese Firmen sind in der Regel Mitglieder der Güteschutzgemeinschaft und in ausreichender Anzahl vorhanden.

Abb.: Demonstration der Vorgehensweise KMR auf dem Solarpark Turnow Preilack 2009

Phase 4 Nutzung: Eigentlich sollte es dieses Thema nicht geben. Die Fläche ist vorher vollständig von Kampfmitteln und Altlasten befreit und sie spielen bei der Nutzung der Fläche keine Rolle mehr. Die Praxis ist anders. In vielen Bundesländern und Landkreisen werden Teilräumungen genehmigt oder sogar die Errichtung auf Verdachtsflächen zugelassen. Technisch ist dies möglich durch verschiedene Auslegung der technischen Systeme und des Bauverfahrens. Für die Errichtung der Anlage sind die Risiken beherrschbar. Was ist jedoch mit dem Betrieb? Hier ist in der Regel das Risiko durch Brand und Fahrzeugverkehr im Zusammenwirken mit der verbliebenen Munition zu betrachten. Gänzlich anders sieht die Sache bei Windkraftanlagen aus, die enorme dynamische Lasten und mechanische Oszillationen in den Boden ableiten. Bei Kosten von 65 bis 145 Mio. Euro pro Windkrafteinheit ist auch die Klärung von Gefährdungsrisiken durch Kampfmittel im Umfeld eine Frage von erheblicher Bedeutung. Hier gibt es noch Bedarf zur Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen. Die TU Berlin beabsichtigt, sich im Rahmen von wissenschaftlichen Arbeiten in den nächsten Jahren mit diesem Thema zu beschäftigen.

Dipl.-Ing. Alexander Döring, Beratender Ingenieur
Ingenieurbüro Döring GmbH
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