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01.02.2011

Kampfmittelräumung auf Photovoltaik-Anlagen und Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien - Chance und Herausforderung Teil I

Mit der Novelle des EEG im Jahre 2010 ist die Attraktivität von Flächen mit militärischer Vornutzung, kurz Konversionsflächen, für die Errichtung von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien insbesondere für PV Anlagen und Windkraftanlagen stark gestiegen. Dabei ist von besonderer Bedeutung, dass einerseits oft eine andere Nutzung für diese Flächen nicht möglich ist und andererseits häufig für diese Flächen ein anders nicht finanzierbarer Sanierungsbedarf besteht. Werden die Anlagen nur temporär genutzt zum Beispiel 25 Jahre, entsteht gleichzeitig ein nachhaltiger nuturschutzrelevanter Effekt.

Für diese Flächen besteht in der Regel keine Freigabe von Kampfmitteln. Die tatsächliche Belastung mit Kampfmitteln dieser Flächen ist häufig unbekannt. Die Kosten der Kampfmittelräumung werden daher zu einem wichtigen Entscheidungskriterium über die Investitionsentscheidung, da die Kosten zur Kampfmittelräumung leicht die Kosten zum Grundstückserwerb übersteigen können. Gleichzeitig haben die üblicherweise in dieser Sphäre tätigen Entscheidungsträger wie Steuerberater, Immobilienhändler, Banker und Versicherungskaufleute keinerlei Erfahrung beim Umgang mit diesen Risiken. Verwirrend für diese Entscheider ist gleichzeitig auch das die Praxis beim Umgang mit diesen Flächen in jedem Bundesland anders ist. Was in Bayern kein Problem darstellt, ist in Brandenburg undenkbar. Ein weiterer Aspekt ist, dass die üblicherweise mit der Planung beauftragten Büros ebenfalls keinerlei Erfahrungen mit der Kampfmittelproblematik haben und gerne diesen Aspekt bei der Planung und bei den Kosten vergessen.

Auf der Grundlage praktischer Erfahrungen, wird hier versucht Kriterien zum Umgang mit diesem Problem für die einzelnen Projektphasen abzuleiten.

Phase 1 Kaufentscheidung: In dieser Phase haben 2 Akteure das gleiche Problem mit diametral entgegen gesetzten Zielstellungen. Während der Käufer seine Risiken versucht zu erkennen und diese im Kauf- oder Pachtvertrag abzubilden, hat der Verkäufer das natürliche Interesse seine Kostenrisiken durch Kampfmittel und Altlasten zu minimieren und zeitlich zu begrenzen. Da Konversionsflächen in der Regel im Besitz des Bundes und der Länder sind, haben diese aufgrund Ihrer jahrzehntelangen Erfahrungen einen eindeutigen Vorteil in dieser Prozessphase. Jeder Käufer ist gut beraten, sich bereits hier zumindest in verkürzter Form über die Risiken durch Fachleute beraten zu lassen und im Zweifelsfall die Finger von dem Projekt zu lassen. Bei der Absicht 3, oder mehr Millionen Euro ausgeben zu wollen sollte ein gewisses Budget für Fachleute drin sein. Dabei sollten folgende Punkte untersucht werden. Gibt es eine historische Erkundung zu diesem Objekt, wenn ja welche Risiken werden hier benannt. Wie ist der bauliche Zustand des Untergrundes? Wie sind die Chancen für eine Genehmigungsfähigkeit und wie hoch sind die zu erwartenden Kosten? Eine Ortsbesichtigung durch Fachleute ist hier sehr hilfreich. Mit 5 bis 25 TE ist hier eine grobe unabhängige Bewertung möglich, die hilft die Kaufentscheidung zu objektivieren.

Phase 2 Genehmigungsplanung: Wir empfehlen dringend, in dieser Phase eine kleine technische Erkundung vorzunehmen und ein Kampfmittelräumkonzept erarbeiten zu lassen. Diese sollte die Schnittstellen zu allen Gewerken enthalten und Bestandteil des Bauantrages oder der Planfeststellung werden. Die übrigen Fachplaner sollten an dieser Stelle über das Konzept informiert sein in Ihre Planungen einbeziehen und Ihrerseits Forderungen an die Kampfmittelplaner stellen. An dieser Stelle sind unter Beachtung des Gefährdungsaspektes und der Genehmigungspraxis des jeweiligen zuständigen Landkreises erhebliche Einsparungen möglich. Über das dann fertige Konzept und die zu erwartende Gefährdungsabschätzung muss an dieser Stelle mit den vorgesehenen Versicherern und den finanzierenden Banken gesprochen werden. Die Risikobewertung der Versicherungsmathematiker geht in die Finanzierungskosten mit ein. Es werden die Risiken für Errichtung und Betrieb bewertet. Und diese Einschätzung kann sich erheblich von der Einschätzung während der Kaufphase unterscheiden. Diese Differenzen sollten in der Planungsphase ausgeräumt werden.

Dipl.-Ing. Alexander Döring, Beratender Ingenieur
Ingenieurbüro Döring GmbH
Prenzlauer Promenade 190
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Tel.: 030/47 50 98 20
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